Catherine OUDOIN-LORENZ          Klaus LORENZ

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Die Legende lebt weiter

Roullet-Decamps, eine der kreativsten und mannigfaltigsten Firmen in Ihrem Gebiet fabrizierte mechanische Spielzeuge und Figurenautomaten während über 120 Jahren in Paris.

Die Geschichte beginnt 1867 mit einem einfachen mechanischen Spielzeug und heute verdankt Sie Ihre internationale Berühmtheit und Anerkennung den von Ihr geschöpften Puppenautomaten.

Um die Jahrhundertwende wurde die Familienfirma ebenfalls berühmt mit Ihren elektrischen Reklameautomaten und den großen Automatenszenen, welche in den Schaufenstern der größten Pariser Warenhäusern von aller Welt bewundert wurden.

Schon vor der endgültigen Schließung der Werkstätten im Jahre 1995 wurde das Werk und die Schöpfungsvielfalt dieser Fabrik vom französischen Staate anerkannt und für Erhaltungswürdig befunden.

1988 Wurde das Museum, welches vor allem die Staatliche Sammlung der Automaten des Hauses Roullet-Decamps ausstellt, in Souillac im Departement Lot eröffnet. Der Besucher entdeckt die wohl größte Automatensammlung Europas. Die zahlreichen elektrischen Automaten sind in funktion und werden von einem Computer gesteuert. Um die Sammlung zu erhalten, arbeitet in diesem Museum ein fachmännisches Team und unter Anderem ein Restaurator.

Die Geschichte des Hauses Decamps wurde auf eine sehr verständliche Weise in dem Buch von Christian und Sharon Bailly „L’age d’or des automates“ beschrieben (eng,franz).

Als das Buch verlegt wurde, befanden sich die Werkstätten noch in der rue Amelot 17-19 im Quartier der Bastille von Paris.

Hier würden vor Allem Schaufensterautomaten hergestellt aber auch für Sonderbestellungen gearbeitet. Die Klienten für diese Unikate waren die Filmindustrie aber auch berühmte Kûnstler wie zum Beispiel Salvadore Dali oder der berühmte Goldschmied und Schmuckhersteller Mauboussin (Platz Vendome, Paris).

Einige Daten der Firma:

1866-1867: Jean Roullet vom Beruf Werkzeugmacher installiert seine Werkstatt in Paris, rue Quatre Fils 10 und stellte vor Allem Stanzen und Stanzartikel in Auftragsarbeit her.

Auf Anfrage von Einem seiner Klienten realisierte er das erste mechanische Spielzeug der Firma unter Anwendung der Technologie der Stanzerei. Diese Herstellungsart erlaubte eine relativ ökonomische Massenfabrikation und erlaubte einen Vertrieb zu angemaßten Preisen. Der soziale Effekt war eine Demokratisierung dieser Art von Spielzeugen, welche bis dahin nur sehr reichen Familien zugänglich waren.

Der berühmte „kleine Gärtner“ wurde das bekannte Markenzeichen von Roullet-Decamps. Er erscheint auf der Titelseite des ersten heute bekannten Kataloges von 1878. (reproduziert am Ende des Buches von Christian und Sharon Bailly „L’age d’or des automates“). Obwohl in grosser Serie hergestellt ist dieses Spielzeug heute sehr rar geworden. Ein Original mit seinem Pozelankopf ist im Museum von Souillac erhalten und ausgestellt.

In den Jahren um 1870 zog die Firma um nach der rue du Parc Royal in ein größeres und besser angepasstes Lokal für die Werkstatt. Sie blieb dort während der produktivsten und schöpferischsten Jahre Ihrer Geschichte.

1879 vermählte sich Henriette, die Tochter von Jean Roullet, mit Ernest Henry Decamps welcher als Atelierchef angestellt war.

1889-1900: Die Firma änderte Ihren Namen und war als Ateliers Roullet-Decamps bekannt.

In dieser Epoche arbeiteten ungefähr 50 Angestellte in den Werkstätten des Hauses in den verschiedensten Berufen welche notwendig waren, um die mechanischen Spielzeuge und Figurenautomaten zu produzieren. Unter Anderem fanden sich die Berufe wie Werkzeugmacher, Mechaniker, Bildhauer und Modelierer, Giesstechniker, Möbeltischler, Kartonagenhersteller usw.

Während dieser Jahre wurden auch die ersten elektrischen Figurenautomaten gebaut da die Elektrizität in ihrer Anwendung einen immer grösseren Platz einnahm.

Gaston, der älteste Sohn von Ernest studierte die Angewandte Kunst in der Ecole des Beaux-Arts und der Ecole des Arts Decoratives, die besten Pariser Schulen.

Er verbesserte die Skulpturen und die Choreographie der Automaten und mechanischen Tieren durch seine mehr und mehr aktiven Teilname an der Arbeit in der Fabrik.

1901-1909 Jean Roullet zog sich kurz nach der Jahrhundertwende aus dem aktiven Berufsleben zurück und überließ die Leitung der Firma seiner Tochter Henriette und seinem Schwiegersohn. Er starb 1907.

1909 starb Ernest Decamps und Henriette übernahm die Direktion der Firma mit der Hilfe Ihrer Söhne Gaston und Paul sowie Ihrer Tochter Gilberte.

Der Name der Firma änderte sich in „Witwe Decamps und Söhne“.

Paul, welcher sich hauptsächlich um die geschäftlichen Seiten der Firma als Manager kümmerte, fiel im Ersten Weltkrieg. Gaston kaufte nach und nach die Firmenanteile seiner Mutter und seiner Schwester und führte nun die Produktion alleine weiter.

Die Firma entwickelte sich sehr schnell mit einer immer größeren Vielfalt an Produkten und Erfindungen im Bereich der Figuren- und Werbeautomaten. Er erfand auch die berühmten Automatenszenen welche in der Weihnachtszeit ganz Paris zu den größten Pariser Warenhäusern und ihren Schaufenstern zog. Er installierte diese Szenen auch in Belgien und England mit dem gleichen Erfolg. Für die Qualität und dem Erfindungsreichtum seiner Arbeit gewann er mehrere Auszeichnungen und Medaillen.

1925 Phalibois, welcher ebenfalls Figurenautomaten herstellte gab seine Firma auf und verkaufte seine Modelle und Werkzeuge an Gaston Decamps. Théroude hatte schon vorher aufgehört zu existieren und auch seine Modelle und Werkzeuge befinden sich durch einen Aufkauf in den Händen Gaston Decamps und seiner Firma. Von dieser Firma sind berühmte Figurenautomaten auch weiterhin mit einigen Verbesserungen hergestellt worden wie zum Beispiel der flötenspielende Neger mit seiner Orgel von der Firma Kelsen, Nachflg. Devrainville im Körper.

1963 musste die Firma die bei der Stadt gemieteten Lokale der Rue du Parc Royal verlassen da das Gebäude abgerissen werden sollte. Nun entdeckte Decamps mit seiner Tochter und dem zukünftigen Schwiegersohn aber alte Deckenmalereien während der Demontage seiner Werkstätten. Sie versuchten, diese Kunstwerke vergangener Zeiten zu erhalten und zugleich das Interesse des Staates auch auf Ihre Kunst des Automatenbaus zu erwecken als einer der letzten Repräsentanten dieses so typischen Pariser Gewerbes. Obwohl Decamps erreichte dass das Gebäude verschont blieb und heute sogar unter Denkmalsschutz steht, musste er trotzdem seine geliebten Lokale verlassen und installierte seine neue Werkstatt in der 17-19 rue Amelot, allerdings mit wesentlich reduzierter Grundfläche.(die Abfindung, welche er erhielt reichte nur dafür)

Die ehemaligen Werkstätten der Rue du Parc Royal sind heute (ironische Tatsache) genutzt von einer Außenstelle des Ministère de la Culture.

1972 Tod von Gaston Decamps. Seine Tochter Cosette und Ihr Gemahl Georges Bellancourt übernehmen die Firma. Georges lernte ursprünglich den Beruf des Tischlers. Seine eigentlichen Fähigkeiten erwarb er aber als Autodidakt. Er arbeitete als „Röhrenelektroniker“ für die Theaterwelt bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Während des Krieges nahm er am Wiederstandskampf für ein freies Frankreich in der Gegend der Haute Savoie, den französischen Alpen. Nach dem Krieg arbeitete er als Betriebsingenieur in verschiedenen Betrieben und unter Anderem für damals bekannte Firma „Aluminium Française“ wo er an der Entwicklung von Spezialmaschinen mitwirkte.

Cosette Decamps lernte George auf der Insel Korsika kennen. Während der Sommerferien nahmen Beide an archäologischen Unterwasserausgrabungen teil. Ein weiteres Mitglied dieser Unternehmen war der heute als Umweltschützer und Dokumentarcineast berühmte Jacques Costeau. Beide verstanden sich gut und arbeiteten gemeinsam an den Druckminderern der Gasflaschen für Taucher.

Schon am Anfang Ihrer Beziehung arbeitete Georges abends und an den Wochenenden oft in den Werkstätten Decamps an der Entwicklung neuer Erfindungen und Automaten. Hier fand er ein reiches Anwendungsfeld seines schöpferischen Geistes und fand einen neuen Weg für die Anwendung der Figurenautomaten und Mechanismen.

Cosette und Georges heiraten 1975.

Eines der letzten Spielzeuge das für eine Serienfabrikation vorgesehen war, entstand in diesen Jahren. Es handelt sich um einen batteriebetriebenen Dackel, welcher über die Hundeleine gesteuert wurde. Die Japanische Konkurrenz mit den damals sehr niedrigen Herstellungskosten machte die Serienproduktion in Frankreich aber unmöglich und nur wenige Exemplare wurden realisiert. Eines dieses seltenen Spielzeuges befindet sich im Museum von Souillac.

Die Fabrik arbeitete von da an nur noch an der Herstellung von Automatenszenen und Einzelstücken für verschiedene Klienten wie Salvadore Dali oder Mauboussin. Die Elektronik fand mehr und mehr Anwendung in diesen Kreationen ohne aber jemals die große Tradition von Decamps der Anwendung der Mechanik völlig zu verdrängen.

Jeder Sommerurlaub der Bellancourts war den Automaten gewidmet. Anstatt Urlaub zu nehmen, organisierten sie Wanderausstellungen zum Einen um diese traditionsreiche Kunst dem Publikum nahezubringen und zum Anderen um die Mittel einzubringen die ein Überleben der Firma ermöglichten.

Während der Demonstrationen äußerten die den Wunsch mit dieser einzigartige Kollektion ein Museum in Frankreich zu gründen.

Souillac wurde schließlich ausgewählt da die Ausstellungen hier einen großen Anklang fanden.

1988 sah der Bürgermeister die Möglichkeit eines kulturellen Projekts für die ehemaligen Lagerräume der SEITA ,dem französischen Tabakwarenhersteller. Er fand die erforderlichen Mittel mit Hilfe des Staates welcher die Sammlung käuflich erwarb, als Nationalsammlung einstufte und sie in Souillac als ein permanentes Depot installierte.

Die Stadt Souillac engagierte die nötigen qualifizierten Mitarbeiter für das Museum im Service der Sammlung und der zahlreichen Besucher.

1995 Schließung der Ateliers Decamps in Paris.

Die Nationale Automatenkollektion in Souillac ist heute einzigartig auf der Welt.

Sie beherbergt eine außergewöhnliche Sammlung von mechanischen Spielzeugen, Figurenautomaten, elektrischen Schaufenster- und Reklameautomaten und Automatenszenen die damals in den Pariser Warenhäusern zur Weihnachtszeit ausgestellt waren.

Trotz des Buches von Bailly und anderen Publikationen diese Kunst betreffend existieren heute nur wenige Informationen über die weitgefächerte Produktion der mechanischen Spielzeuge und Schaufensterautomaten von Decamps, obwohl diese Art von Kreationen ebenso erfinderisch und kompliziert sind wie die wesentlich bekannteren klassischen mechanischen Figurenautomaten.

Mechanische Spielzeuge, - eine Spezialität von Decamps

Der Katalog von 1878,welcher im Buch von Bailly reproduziert ist zeigt die reiche Auswahl von mechanischen Tieren: Bären, Katzen, Hunden, Hasen, Affen, Zirkus- und Hoftiere etc.etc

Manche spielen ein Instrument wie eine Trommel oder Trompete, Andere hüpfen, springen, rollen oder exekutieren andere überraschende Bewegungen naturgetreu nachgebildet.

Viele von diesen Spielzeugtieren sind heute sehr selten wie zum Beispiel die „Laufende Giraffe“ oder der Pfau „laufend und das Rad machend“ mit seiner Kopfbewegung und stolzen Haltung. Er trägt ein „Gewand“ aus echten Pfauenfedern. Diese kleinen Wunderwerke sind nicht mit einem Zungenspielwerk versehen, sondern mit einem relativ komplexen System welches die Stimme des dargestellten Tieres täuschend nachahmt. Diese Tierstimmen bestehen aus einem Blasebalg aus Papier und einer Zunge, welche in der Luftsäule schwingt.

Mit Hilfe einer speziellen Mechanik bestehend aus Ventilen, Fäden und Drähten wird nun die Frequenz der Zunge und die Luftsäule moduliert. Diese Stimmen wurden in Deutschland hergestellt und bis zum Ersten Weltkrieg importiert. Auf Grund der nun herrschenden Einschränkungen wurde der Import unterbrochen und Decamps versuchte selber seine Stimmen herzustellen, allerdings mit wenig Erfolg.

Die Herstellung der Figurenautomaten

Obwohl sich der Stil der Automaten im Laufe der Jahre der Mode folgend entwickelte, blieben die verwendeten Materialien und Techniken praktisch unverändert.

Die Köpfe aus Porzellan wurden von den großen Marken als Sonderanfertigung in relativ kleinen Serien hergestellt.

Der wesentliche Unterschied zu normalen Puppenköpfen ist der Hals mit seiner zylindrischen und unten offenen Form, welche dadurch sowohl die Kopfbewegung als auch das Spiel der Augen oder der Zunge ermöglichte. Da diese Köpfe sehr selten sind, findet man in neueren Automaten sehr oft Standardpuppenköpfe mit einem unten abgerundeten und geschlossenen Hals.

Für die Figurenautomaten mit komplizierteren Ausdrucksänderungen und Charakterköpfen wurde eher der Staff oder eine Kartonage als Ausgangsmaterial verwendet. Die individuelle Herstellung jedes Kopfes macht aus ihnen heute Unikate im Gegensatz zu den jedes Mal absolut identischen Porzellanköpfen.

Die Kartonnage- und ,seltener, die Stafftechnik diente auch bei der Herstellung der Körper der Automaten.

Die traditionelle Kartonnageherstellung ist sehr langwierig und erfordert spezielle Kenntnisse der verwendbaren Papiere und der Anwendungstechnik. Das Ergebnis ist ein an Gewicht sehr leichtes aber mechanisch und strukturell solides Element.

Um einen Kopf oder Körper aus Kartonage herzustellen wird zuerst ein Lehmmodel hergestellt. Die Kunst besteht hier schon in einer Überdimensionierung des Modells welches der Schrumpfung der trocknenden Kartonage Rechnung trägt.

Dieses Lehmmodell wird in Gips eingeschlossen und die Gipsform nach dem Härten ausgewaschen. Der Lehm wird nun durch Gips ersetzt und nach dem Aushärten wird die äußere Form entfernt (gebrochen). Nun hat man das eigentliche Modell an dem die Details noch ausgearbeitet werden.

Die folgende Etappe ist von größter Präzision: Es handelt sich um die Herstellung der entgültigen Gipsform um die Kartonnagen und Staffe herzustellen. Diese Formen bestehen aus einem manchmal sehr komplexen System von mehreren aneinander angepassten Teilen. Dies ist notwendig, um Unterschneidungen zu vermeiden die eine Reproduktion unmöglich machen würden.

Nach der abschließenden Isolierung der Form mit geeigneten Produkten wird das vorbereitete Papier in dünnen Schichten mit einem speziell angefertigten Kleister in die Form gebracht.

Andersfarbige Papiere erlaubten eine genaue Kontrolle der Anzahl der Schichten. Die richtige Art und Weise der Konstruktion hat zum Ergebnis eine Kartonage die gleichmäßig und ohne Deformierung trocknet.

Nach der vollständigen Trocknung werden die mechanischen Elemente in den Hohlkörpern installiert. Die Befestigungsmethoden waren Drähte oder geklebte Stoffstücke. Nun wurden die später sichtbaren Stellen noch malerisch dekoriert bevor sie auf dem Sockel befestigt und bekleidet werden.

Die ältesten Automaten waren mit Köpfen aus Porzellan oder Kartonage ausgestattet.

Die Herstellung der selben Modelle in größerer Anzahl brachte die Hersteller dazu, Köpfe aus Staff herzustellen.

Pour diese Reproduktionstechnik waren kompliziertere und damit wesentlich teurere Gipsformen notwendig aber das Ergebnis waren Kôpfe mit grösserer Detailtreue und eine schnellere Herstellung. Außerdem konnte nur eine bestimmte Anzahl von Abgüssen mit einer Form hergestellt werden.

Für Einzelstücke und sehr kleine Serien wurde aber weiterhin die Kartonagetechnik verwendet, da die Formenherstellung einfacher und billiger war.

Der sogenannte Staff wurde auf folgende Weise hergestellt: Relativ dünnflüssiger angerührter Gips wird in die präparierte Form gegossen und diese dann so ausgeschwenkt, dass sich eine möglichst dünne Gipsschicht überall in der Form gleichmäßig absetzt. Dies erfordert eine präzise und geübte Bewegung. Nachdem der Überschuss wieder ausgegossen wurde wird jetzt die gesamte Form im Inneren mit einer Gaze ausgelegt. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt bis die gewünschte Wandstärke erreicht ist. Wenn der Staff richtig gegossen wurde erhält man einen sehr leichten und soliden Abguss.

Roullet-Decamps verwendete die Kartonagetechnik bei der Herstellung der Tiere und Figurenautomaten bis zum Schluss. Nur wenige Versuche wurden unternommen, modernere Plastikformwerkstoffe zu verwenden. Das Fachwissen der ursprünglichen Kartonageherstellung ist heute praktisch in Vergessenheit geraten. Heute verwenden selbst Restauratoren Ersatzlösungen unter der Verwendung neuer industrieller Klebstoffe, von welchen die Meisten den Nachteil haben das sie nach der Trocknung Irreversibel sind.

Figurenautomaten mit Musikwerken

Roullet-Decamps ist berühmt für seine reichhaltige Auswahl an den verschiedensten musikalischen Figurenautomaten. Diese waren Kunstwerke wurden vor allem zwischen 1870 und 1910 produziert. Als die Nachfrage nachließ konzentrierte sich die Firma vor Allem auf die Restaurierung von Figurenautomaten und arbeitete im Auftrag von Privatsammlern und Museen aus der ganzen Welt. Die Zungenspielwerke kamen vorrangig von spezialisierten Firmen. Diese spielwerke verschiedener Größe bestehen aus einer Stiftwalze und einem Kamm und einem Antriebsrad das sich meistens am Ende, seltener in der Mitte, der Walze befindet und von dem Federmotor des Automaten angetrieben wird.

Die ältesten Figurenautomaten waren mit Spielwerken ausgestattet, die nur eine Prägung „Switzerland“ besaßen aber später kaufte Decamps die Spielwerke vor Allem bei der Firma Reuge in Saint Croix (Schweitz) ein.

Schaufensterszenen

Während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts waren in Europa und den USA die Automatenszenen sehr in der Mode.

Wie schon zuvor gesagt kam ganz Paris zu den großen Schaufenstern der nobelsten Warenhäuser im Pariser Zentrum und drängelte sich oft mühsam durch die Menschenmasse, um die reich dekorierten und animierten Szenen zu bewundern.

Diese regelrechten Miniaturtheater wurden zwar von mehreren verschiedenen Firmen kreiert, aber Decamps gilt als der alleinige Erfinder. Er wurde wiederum berühmt für seinen Erfindergeist und die heute sprichwörtliche Qualität seiner Arbeit.

So wie die älteren Figurenautomaten oft berühmte Persönlichkeiten oder Modeerscheinungen darstellten (p.e. Little Tich, Cakewalktänzer ), lehnten sich die Themen der Schaufensterszenen oft an bedeutende Ereignisse des neuen XX Jahrhunderts an.

Eine der berühmtesten war „Die Ankunft am Nordpol des Admirals Peary“. Gaston Decamps unterbreitete dieses Projekt dem Warenhaus „Au Bon Marché“ im Jahre 1909.

Nur Wenige dieser Schöpfungen sind bis heute erhalten geblieben. Der Grund liegt darin, dass sie nach ihrer Demontage of anderen Zwecken und neuen Ideen dienten oder einfach wegen Platzmangel zerstört wurden.

Zum Glück sind doch einige dieser Szenen erhalten geblieben und heute im Museum von Souillac ausgestellt. Eine der beeindruckendsten ist die Jazzband gleich am Eingang. Sie stellt 3 farbige Musiker in Lebensgröße dar, welche zu einer Musik Klavier, Violine und Schlagzeug mit täuschend lebensechten Bewegungen spielen. Diese Szene wurde von Decamps in den um 1920 kreiert und reflektiert zum einen die damalige Popularität des Afroamerikanischen Jazz und zum anderen sein Genie. Man kann davon ausgehen, dass damals bekannte Musiker als Model gedient hatten.

Ein anderer interessanter elektrischer Figurenautomat dient der Reklame für die Glühbirnenmarke „Z“. Man lernt dank der sich drehenden Informationstafel, dass die ersten elektrischen Birnen mit einem Kohlefaden ausgestattet waren und erst später von den Metallfadenbirnen verdrängt wurden. Der kleine Vorführer klopft nun energisch an die Glühbirne in seiner Hand und teilt uns mit, dass der Metallfaden doch wesentlich mehr aushält als man denkt.

Eine weitere amüsante Automatenszene stellt eine Pariser Metrostation dar. Natürlich herrscht ein lustiges Chaos da der Humor niemals weit ist, - eine Gans, die aus dem Korb der Bäuerin entflüchtet ist befindet sich auf den Schienen und wird fast von der einfahrenden Metrolokomotive überrollt während eine Dame im Hintergrund vergeblich versucht, das Wechselgeld oder die Fahrkarte aus einem Fahrkartenautomaten zu bekommen. Sie kippt Ihn einfach auf die Kante doch sichtlich ohne Erfolg. Ein Bahnangestellter sieht diesem lustigen Chaos zu und merkt gar nicht, dass er das Öl aus seiner Kanne auf die neuen Schuhe eines Passanten gießt (man sieht es wirklich fliessen!!) ...

Außer den Szenen wurden Figurenautomaten auch für bestimmte Marken speziell entwickelt.

Andere wiederum wurden jedes Mal mit neuen Informationen ausgestattet, je nachdem welcher Service oder welches Produkt angepriesen werden sollte. Um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken wurde der Figurenautomat außer seiner Choregographie auch noch mit anderen Effekten und Funktionen ausgestattet. Dazu gehören Lichteffekte und Geräusche die durch das Klopfen an die Schaufensterscheibe so manchen Passanten zum Anhalten brachten. Einer dieser Automaten ist in Souillac erhalten. Es handelt sich um einen Konterfei von Charlie Chaplin, der an einer rotierenden Laterne gelehnt von Zeit zu Zeit mit dem Fuß an die Scheibe klopft.

Nach dem Tode von Gaston Decamps bauten Georges et Cosette Bellancourt noch weiterhin Automatenszenen und elektrische Figurenautomaten.

Einige andere Szenen können auch in dem Museum „Automates Avenue“ in Falaise, dem französischem Calvados besichtigt werden.

Heute haben die animierten Szenen ihren Platz den Marionetten überlassen und werden sogar von Menschen verkleidet als Automaten imitiert.

All jene welche sich heute für Figurenautomaten interessieren sollten denjenigen dankbar sein, die von damals bis heute aktiv daran gearbeitet haben die Automaten zu erhalten und die Tradition ihrer Herstellung lebendig erhalten. Und dies auch in Zeiten wo diese Kunst völlig außer der Mode war.

Klaus Lorenz ist nicht nur Restaurator, sondern auch Schöpfer von Figurenautomaten. Er hat diese Kunst in den Werkstätten Decamps studiert. Er war der einzige Berufsrestaurator in der langen Firmengeschichte von Roullet-Decamps. Er nahm aktiv an Restaurationen historisch bedeutender Automaten teil, welche sich weltweit in den Händen von Sammlern und Museen befinden. Mit seiner Frau, Catherine Oudoin-Lorenz, welche Bildende Künstlerin ist, arbeiten sie gemeinsam in ihrem Atelier in Pinsac bei Souillac (Lot) an der Schöpfung und Restaurierung von Figurenautomaten.Klaus Lorenz arbeitet ausserdem als staatlich anerkannter Restaurator für die „Collection Nationale d’Automates“ im Museum von Souillac.

Dieser Artikel ist das Resultat von Beobachtungen, technischen Erläuterungen und Informationen von Klaus Lorenz in seiner Werkstatt und im Museum von Souillac

Herr Don Day ist Mitglied der amerikanischen “ Musical Box Society International“ (MBSI).

Er half bei der Übersetzung und Edition des originalen Textes in Englisch.

Einige Details kommen von Quellen, die im Text zitiert wurden.

 

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